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Internationaler Kongress zum Thema
„Bahnlärm macht krank“ in Boppard
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Internationaler Bahnlärm-Kongress 2010 in Boppard

Neue Koalition in Sachen Lärmschutz

Boppard/Duisburg, 5. November 2010 - Die Vertreter von mehr als 40 Bürgerinitiativen von der Ostsee bis zum Oberrhein kommen am 13. und 14. November in Boppard am Rhein zusammen, um mit Wissenschaftlern und mehr als 100 Politikern und Kommunalvertretern über den Erhalt ihres Lebens­umfelds zu sprechen. Die zunehmende Dauerbeschallung, ins­besondere durch nächtlichen Güterverkehr, führt zu schwerwie­genden Erkrankungen. Die Bahn baut neue ICE-Trassen, um den Personenverkehr von den Bestandsstrecken abzuziehen, damit dort zusätzliche Kapazitäten für Güterverkehr entstehen.

Dieser Güterverkehr mit technisch veraltetem Rollmaterial und zu einem Großteil defekten Radreifen verursacht Lärmpegel von über 100 dB(A). Das ist nach Aussage von Medizinern wie Prof. Manfred Spreng von der Universität in Erlangen „gesundheitsschädigend“ und vom medizinischen Standpunkt aus nicht mehr zu vertreten. Sein Kollege auf dem Kongress, Prof. Eberhard Greiser, sieht es inzwischen beim Fluglärm als erwiesen an, dass eine Kausalität zwischen Lärm und Gesundheitsschädigungen besteht.

Auch die rechtliche Seite steht an den beiden Kongresstagen im Blickpunkt: Der Naturwissenschaftler Dr. Dirk Windelberg von der Universität Hannover stellt die provokante Frage nach dem Immis­sionsschutzgedanken: „Was ist der Immissionsschutzgedanke?“

Bisher wurde dieser noch nicht gedacht, denn die gesetzlich festgelegten Immissionsgrenzwerte für Neubaustrecken sind andere als die für Ausbaustrecken. „Immissionsschutz“ ist offensichtlich nicht durch „gesundheitlichen Schutz“ definiert.

„Bund und Bahn rechnen sich die Welt leise“, sagt Kongressleiter Frank Gross, „doch in Wirklichkeit ist sie höllisch laut und wird von Jahr zu Jahr immer lauter“.

Als besonderer Gast steht der österreichische Komponist Peter Androsch auf dem Programm. Er hat als musikalischer Leiter der Europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009 die „Initiative Hörstadt“ gegründet und ist Mitverfasser des „Akustischen Manifests“. Er tritt für eine „Demokratisierung des akustischen Raumes“ ein, gemäß dem Motto: Keine Zwangsbeschallung, jeder darf hören was er will. „Ohren kann man nicht einfach zumachen“, sagt der Musiker, „sie sind unser Alarmsystem, das immer in Betrieb ist.

Alarm kommt aus dem Lateinischen „ad arma“ („zu den Waffen!“). Der Ruf, sich zu wappnen, gilt auch für den menschlichen Körper, der auf Geräusche reagiert, indem er Botenstoffe und Stress­hormone aussendet. Die ständige Überflutung des Körpers mit diesen körpereigenen Substanzen hat erhebliche Störungen und Schädigungen der Organe zur Folge und kann auf Dauer zu Herz- und Kreislaufbeschwerden, Herzinfarkten und Schlaganfällen, ja sogar zu Krebsleiden führen, weil das Immunsystem beeinträchtigt wird.

Das bestätigt auch die Medizinerin Dr. Gerda Noppeney von der Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf. Sie kämpft seit zehn Jahren mit rund 30 Kollegen im Raum Köln-Bonn vergeblich gegen nächtlichen Fluglärm, obwohl eindeutige Studien belegen, dass Lärm krank macht. „Das ist wie mit dem Fischsterben in den 70er-Jahren im Rhein“, sagt Kongressleiter Gross, der auch Vorsitzender des Bürgernetzwerks Pro Rheintal ist. Nach seinen Worten braucht es immer erst eine Kata­strophe wie beim Beispiel Rhein der Chemieunfall in der Schweiz. Auch Lärm kann töten und es fehlen die erforderlichen Gesetze beziehungsweise wird vorhandene Lärmschutztechnik nicht genutzt. „Den Schuh müssen sich Politik und Bahn jetzt anziehen und wir werden auf dem Kongress eine ,Große Koalition‘ gründen, die deutschland- und europaweit so viel und so lange Lärm macht, bis es

in unseren Häusern wieder leiser geworden ist“, fügt Frank Gross kämpferisch hinzu.

„Wir unterscheiden zwischen Politikern und Volksvertretern“, sagt Gross. Im Unterschied zu Politikern setzen sich Volksvertreter über Fraktionszwang und Parteigrenzen hinweg und setzen sich für das Land, für die Bahn, aber auch für die Menschen ein. Das sind die Leute, die unsere „neue Koalition“ auch bei den anstehenden Land­tagswahlen unterstützen wird.“

Zum ersten Internationalen Bahnlärm-Kongress werden auch Dele­gationen aus Italien, Österreich der Schweiz und den Niederlanden erwartet.

Kontakt:

IBK Kongressbüro

Frank Gross, Kongressleitung
und 1. Vorsitzender von Pro Rheintal
Simmerner Straße 12
56154 Boppard

Tel:      06742 801069-0
E-Mail: presse@ibk2010.de

www.bahnlaermkongress.de